Der Moment, in dem der Zug die Stadtgrenze passiert und hinaus auf das Feld bricht, das ist der beste Moment des Tages. Der Wind bricht sich an der Spitze, das Rauschen der Luft am Fenster verändert seinen Klang und wird tiefer, stiller. Noch über den Todesstreifen hinweg, der sich rechts und links an der Grenze entlang windet. Nein, er IST die Grenze. Und danach – Dunkelheit, Weite. Das Rattern der Räder dringt nun immer leiser in den Wagen. Als ob sie langsam vom Boden abheben und schließlich über den Gleisen schweben. Wir überqueren einen Abgrund von unermesslicher Tiefe, im Fensterrahmen nur noch Dunkelheit, ganz weit hinten am Feldrand schwarze Bäume, davor die Reste der vorigen Jahreszeit, die übrig bleiben nach der Ernte. Es ist eine Erleichterung, dieser Blick ins Nichts wenn vorher die Stadt nicht enden wollte. Lichtsatt der Blick hinaus mit weiten Pupillen. Weiter geradeaus durch die schwarze Landschaft, das Dazwischen. Zwischen Licht und Licht, Leben und Leben. Zwischen zwei leuchtenden Brückenköpfen der Abgrund, über den uns der Zug hinüberträgt, leicht und schnell fast ohne Widerstand. Und langsam kommen die Lichter wieder näher, das andere Ufer. Wir passieren die ersten Bahnschranken, die Räder stolpern kurz, dann setzen sie wieder auf. Straßenlaternen beleuchten den Weg zum Bahnhof. Der Zug fährt ein, kommt zum Stehen. Die Türen öffnen sich mit mechanischer Gleichmäßigkeit. Wir steigen aus. Jemand stupst mich an der Schulter. Und, fragt die Katze blinzelnd, weißt Du was Du sahst?
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