Grenz|Bilder|Grenzen

Nun dreht sich das Kastenwesen-Universum derzeit ziemlich um Bad Gandersheim, dennoch soll aber nicht ganz untergehen, dass noch andere Projekte am Start sind. Ganz vorne dabei ist Grenz|Bilder|Grenzen in der spanischen Enklave Ceuta, eine Bewerbung von Kili und Lukas zu Animate Europe.

Der vorgegebene Weg führt mit einer Hochgeschwindigkeitsfähre vom spanischen Algeciras über das Mittelmeer. „Unbedingt besuchen sollte man die Königliche Stadtmauer und den Mittelmeerpark. Man kann dort Kajak fahren, die Stadt von einem Sportboot aus besichtigen, Fischen oder Schildkröten, Delfine und Wale beobachten“, rät das Instituto de Turismo de Espaňa. Hinter den Cafés, Restaurants und Wassersportpromenaden liegen, für Touristen quasi unsichtbar, sechs Meter hohe Drahtzäune mit Infrarotkameras, Geräusch- und Bewegungsmeldern, und bewaffneten Wachmannschaften: Sie schirmen den europäischen Boden von den Zeltstädten der marokkanischen Flüchtlingslager dahinter ab. Im Oktober 2005 kam es zu einem großen Ansturm von 11.000 Menschen, mindestens 16 starben, erst im August 2012 versuchten wieder 350 afrikanische Flüchtlinge, die Grenzanlagen zu überwinden. Trotz der High Tech-Vorrichtungen schaffen es nach Schätzungen der Menschenrechtsorganisation Prodein jährlich 15 bis 20 Immigranten nach Ceuta, die meisten schwimmend zur See. Seit 2006 verzeichnete man über 2000 Todesopfer auf diesem Wege. Was an den Zäunen passiert, ist indess unklar. Über die Vorgänge besteht seitens der Behörden weiter eine Auskunftssperre, der Zugang zu der Grenzwallanlage wird Journalisten und Menschenrechtsbeobachtern systematisch verwehrt. Die wenigen verfügbaren Bilder – Photographien – im Internet stammen alle aus den gleichen, spärlichen Quellen.

Es gibt einen anderen Weg nach Ceuta. Mit dem Bus nach Frankfurt-Hahn. Mit Ryanir nach Tangier. Mit einem Bus nach Fnideq. Mit einem Taxi zur Grenze. Für 500€ werden die KASTENWESEN Lukas und Kilian Wilde am 15. August diesen Weg zurücklegen und 7 Tage später ebenso zurückkehren. Das dokumentarische Projekt GRENZBILDERGRENZEN bringt eine einwöchige Suche zu Papier. Eine Suche nach etwas, dem das Comicmedium bestens gewachsen scheint: Ein schillerndes, dramatisch aufgeladenes Artwork von „unserem Europa“ – nicht aus Aschaffenburg/Tübingen, sondern aufgeladen aus den Erlebnissen, Gesprächen und Geschichten der gemeinsamen Unternehmung.

Aber! Seit wann lassen sich existenzielle, weltanschauliche oder politische Grenzen überhaupt „ins Bild setzen“? Produziert ein solches „Artwork“ nicht nur andere westeuropäische Projektionen und Phantasmagorien, unabhängig von seinem Entstehungsort? GRENZBILDERGRENZEN dokumentiert zuallererst den Umgang mit diesem Dilemma zwischen ästhetischer Praxis und kulturwissenschaftlicher Reflexion. Die KASTENWESEN Lukas & Kili werden sich dieser Grenze in anekdotischer Reflexion stellen. Und irgendetwas mit auf unsere Seite zurückbringen.

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7 Responses to Grenz|Bilder|Grenzen

  1. Phil says:

    Ziemlich verdammt gut, übrigens. Will ich weiterlesen. Sofort.

  2. Kili says:

    Freuet und frohlocket!
    Wir haben gewonnen! Wir sind unter den 7 Finalisten! Wir fliegen nach Tangier! Wir fahren nach Ceuta!
    YAY!

  3. Ulli says:

    YAH!! Ihr seid nach Tangier geflogen und nach Ceute gefahren und wir harren mit Spannung auf euren Bericht!!
    YAH!!

  4. Ulli says:

    Der Bericht ist im “Gitterkasten” zu finden!!

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